Letter 13 – Neuseeland Nordinsel

„Wenn ich noch einen Schritt weitergehe, bin ich so weit weg von zu Hause wie noch nie.“ Samweis Gamdschie – Der Herr der Ringe

Kia Ora Familie und Freunde,

in Neuseeland angekommen befinden wir uns so nah wie es möglich ist, auf der anderen Seite der Welt von Österreich und so weit von unserer Heimat entfernt wie noch nie zuvor. Würde man einen Tunnel durch den Globus graben, käme man tatsächlich nur “wenige” Kilometer östlich der Insel im Südpazifik wieder heraus. Es geht uns wohl etwas wie Sam in Herr der Ringe, bereit für unser nächstes großes Abenteuer.

In Erzählungen klingt Neuseeland für mich immer wie eine kleine Utopie, die durch die Verfilmung von Tolkiens Werken noch an Zauber gewinnt. Man hört von atemberaubenden Landschaften, freundlichen Leuten und seltenen Tierarten. Aber jetzt, wo ich knapp ein Monat hier gereist bin, kann ich ehrlich sagen, dass diese Beschreibungen noch untertrieben sind. 

Die ersten Tage in Auckland erkundeten wir den Hafen der Stadt und die Aussicht von Mount Eden. Gemeinsam mit anderen Reisenden läuteten wir das neue Jahr ein, das so viel schneller gekommen war, als wir es für möglich gehalten haben (exakt 12 Stunden zu früh). 

Der erste Tag 2026 brachte uns den Kauf unseres Motorhomes. Die oft privat umgebauten Autos haben Bett, Küche und Wassertanks, womit sie sich perfekt für die Erkundung aller versteckten Ecken und geheimen Winkel eignen. Der einzige Nachteil dabei ist, dass die Autos oft bis zu 30 Jahre alt sind und man nicht zu sehr darüber nachdenken darf, wie sie überhaupt noch fahren. Wir haben uns schließlich für einen vergleichsweise jungen Nissan Serena Jahrgang 2008 entschieden und bisher hat unsere Lady uns zumindest sicher und verlässlich an alle Orte gebracht. 

  • Wir kaufen unseren Van 🥳

Mit der Freiheit des Gefährts brachen wir direkt zu Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt der Insel, auf. Für die Maori ein heiliger Ort, an dem die Geister der Toten an den Wurzeln eines uralten Pohutukawa-Baumes in die Unterwelt absteigen. Die zerklüfteten Felslandschaften des Kaps gehen in den endlos scheinenden 90 Mile-Beach über, an dem wir die Locals und andere Touristen bei Autorennen über den Strand beobachteten. 

  • Ninety Mile Beach (eigentlich 55 Meilen bzw. 88 Kilometer)

Nur eine Autostunde entfernt wandelt sich die grüne Landschaft zu den riesigen Te Paki-Sanddünen. Mit einem Bodyboard ausgestattet, stapften wir die natürlichen Sandberge hinauf. Hinunter ging es dann mit Gejohle rutschend und surfend. Was erst halsbrecherisch erschien, war schlussendlich nur immenser Spaß. 

Mit einem kurzen Werkstatt-Zwischenstopp in Auckland, um unsere Klimaanlage sehr erfolglos zu reparieren, ging es weiter nach Coromandel, eines der großen Surfreviere. Bei einem Glückskauf via Facebook Marketplace haben wir ein Surfboard, Wetsuits und eine Gitarre ergattert, alles zusammen um gerade einmal 25 €. So ausgestattet verbrachten wir drei Tage am Strand und bei den ersten Surfversuchen. Abends schliefen wir mit Blick aufs Meer ein und wurden durch das Rauschen der Wellen geweckt. Während Christian abends die Gitarre heraus holte und einige Lieder spielte, sprachen uns Neuseeländische Fischer an. Ins Reden gekommen schenkten sie und nicht nur frisch aus dem Wasser gezogenen Snapper, sondern filetiert und brieten ihn für uns auch noch an, dazu gab es noch kaltes Bier aus ihrem Campervan. 

Nach Coromandel folgte Versuch zwei die Klimaanlage zu reparieren – wieder ein Fehlschlag, denn neben unserem “Condenser” war auch unser Kompressor kaputt. Wir ließen uns nicht abhalten naheliegende Strände zu erkunden, doch als auch Versuch drei nicht klappte (der nachbestellte Kompressor war auch hin), zogen wir schließlich nach Rotorua weiter, dem wortwörtlichen Hot Spot der Geysire und heißen Quellen. Das schlechte Wetter, das sich die letzten Tage bereits immer wieder angekündigt hatte, brach nun endgültig über uns herein, aber in einem Hot Pool lassen sich 16 Grad und Regen relativ gut aushalten. Am nahegelegenen See Taupo bestaunten wir die Huka Falls. Der etwa 100 Meter breite Waikato River verengt sich beim Durchfließen einer vulkanischen Schlucht auf nur 15 Meter. Alle zwei Stunden wird das Wasser an der Staumauer durchgelassen und macht aus einem Rinnsal einen reißenden Fluss mit einer Geschwindigkeit von bis zu 220.000 Litern pro Sekunde. Obwohl der Wasserfall nur 11 Meter hoch ist, ist die schiere Wucht beeindruckend. 

  • Redwood Forest vor Rotarua

Leider wurde das Wetter immer miserabler, wie die Neuseeländer sagten, war es wohl “a real shitty summer”. Unsere geplante Wanderung auf den Vulkan Tongariro (alias Mt. Dooms Nachbarberg) und eine 5-tägige Kayakfahrt am Whanganui mussten wir absagen, aber hoffentlich können wir sie im Februar am Rückweg nachholen. Wir vertrieben uns die Zeit und schlechte Laune mit Schwimmbadbesuchen, Stricken, Lesen, Hörbüchern und nutzen die vereinzelten Sonnenstunden für kurze Wanderungen. Wir haben uns inzwischen ans Camperleben gewöhnt bei dem alles eine Spur langsamer passiert. Zum Kochen mit Gasherd müssen wir uns nach dem Wind richten, wenn es schön ist können wir Campingstühle und Klapptisch aufbauen. Abends haben wir als Licht nur Taschenlampen und eine Lichterkette im Auto. Kurz, Christian und ich lieben es, auch wenn nicht alles immer einfach funktioniert, ist es doch pure Entspannung. 

  • Te Mata Trek

In Wellington zeigte sich nach sieben Tage Regenwetter endlich wieder die Sonne. Christian und ich stürzten und direkt wieder mit dem Surfboard in die Wellen. Die Strände gehen außerhalb der Stadt in eine atemberaubende Küstenlandschaft über, zwischen deren Felsen wir bei einer Wanderung Seehunde entdeckten. Wellington ist außerdem einer der Orte an denen einige Herr der Ringe-Szenen gedreht worden waren und wir machten uns den Spaß als Hobbits diese nachzustellen. Außerdem gelang es nun endlich unsere Klimaanlage zu reparieren. Alle guten Dinge sind wohl vier. 🎉 

  • Lyall Bay in Wellington „unser“ Surfstrand

Voller Optimismus auf schönes Wetter und mit großen Erwartungen ging es mit der Nachtfähre auf zur Südinsel, wo wir die nächsten 30 Tage verbringen werden. 

Liebe Grüße 

Leonie (und Christian)

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